Massenvergewaltigung – Doppelmoral der Rassisten von der AfD

Auf eine Anfrage der AfD hat sich die Bundesregierung zu Tatverdächtigen im Zusammenhang mit Massenvergewaltigungen geäußert. Da danach der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger etwa viermal so hoch wie der Bevölkerungsanteil sei wird jetzt über Ursachen und Konsequenzen diskutiert schnell gerät „der Islam“ und die Zuwanderung (die angebliche „Mutter aller Probleme“) in den Fokus der Spekulationen. Für die AfD die ist dies ein willkommender Vorwand für Forderungen nach Massenabschiebungen. So kann man sich auf der Seite der „Jungen Alternativen“ Aufkleber mit „Abschiebungen schützt Frauen“ herunterladen. Dass die Frauen allerdings vor den 50 % deutschen Tätern dann immer noch nicht geschützt wären, scheint die AfD nicht zu stören.

Um es von vornherein festzuhalten: Es gibt keine kulturelle, religiöse oder sonstige Rechtfertigung für Vergewaltigungen oder Massenvergewaltigungen (Die Problematik der statistischen Daten habe ich deshalb am Ende getrennt dargestellt). Genauso zweifelsfrei ist, dass patriarchalischen Anschauungen von der Verfügbarkeit von Frauen Vergewaltigungen begünstigen. Aber so zu tun, als sei dies ein Problem „des Islam“ und der „Muslime“, zeigt lediglich kulturelle Ignoranz und Doppelmoral. Wir erinnern uns: Im letzten Jahr gab es zwei Massenvergewaltigungen auf Mallorca, die jeweils von deutschen Tatverdächtigen verübt wurden. Die Tatverdächtigen in einem Fall stammen aus dem märkischen Kreis d. h. dem Sauerland. Wir stellen dazu mal folgende These in den Raum (die wir natürlich weder begründen müssen noch begründen können): Die Täter sind noch geprägt von einem besonders konservativen Katholizismus, der bekanntlich im Sauerland noch vorherrscht. Und wie sollten sie es auch besser wissen, schließlich hat auch der CDU-Vorsitzende, der aus dem Sauerland stammt, noch im Jahre 1997 im Bundestag gegen die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe gestimmt (vgl. Bundestagsprotokoll S.15800). Sie lebten noch in einer Welt, in der Vergewaltigung ein Kavaliersdelikt war. Niemand würde das meinen, während aber die pauschale Diffamierung des Islam und „der Muslime“ weitgehend unwidersprochen hingenommen wird.

Die patriarchalischen Vorstellungen

Kern des Problems sind keine bestimmten Religionen sondern Machotum und patriarchalische Vorstellungen, die Übergriffe gegen Frauen begünstigen. Es kann sein, dass diese unter nicht-deutschen Tatverdächtigen noch etwas stärker verbreitet sind als unter Deutschen. Umso dringender wird allerdings die Frage, warum es denn eigentlich nicht gelungen ist, die 50 % deutschen Tatverdächtigen, die doch schon sehr viel länger integriert sind, von solchen Taten abzuhalten. Die im letzten Jahr verstorbene Soziologieprofessorin Maria Mies hat nach der Ermordung des holländischen Filmemachers van Gogh im Jahr 2004 einen kleinen Aufsatz über „Biedermänner und Brandstifter – Doppelmoral und kulturelle Ignoranz“ geschrieben, der eigentlich schon alles über die Hetze gegen Muslime enthält. Sie schreibt dort unter anderem:

Dabei werden alle Türken und Araber pauschal nur als „Muslime“ bezeichnet, obwohl ein großer Teil dieser Menschen genauso wenig orthodoxe Muslime sind wie ein großer Prozentsatz der deutschen gläubige Christen. Dennoch redet man von Westeuropäern nicht als von „Christen“. Warum wird ein Teil unserer Mitbürger in eine Religion eingesperrt?

Maria Mies legt dar, dass der Urvater aller Patriarchen – Abraham – auch der Urvater von drei großen Religionen ist, die durch die Bank frauenfeindlich sind, mag dies auch in der heutigen Zeit durch liberale Auslegungen abgemildert werden. Die Fundamentalisten aller Couleur greifen natürlich auf die jeweiligen frauenfeindlichen Urfassungen zurück. Maria Mies schließt mit folgenden Sätzen:

Anstatt die unter uns lebenden Muslime aufzufordern sich an unsere patriarchalische, kapitalistische, zutiefst gewaltsame und kriegerische Leitkultur anzupassen, wäre es richtiger, gemeinsam die tieferen frauenfeindlichen Grundstrukturen unserer Kulturen auf beiden Seiten zu untersuchen, zu kritisieren und nach ihrer Überwindung zu suchen.

Die Patriarchen von der AfD

Untersuchen wir also, wer neben den jeweiligen Fundamentalisten der großen Religionen im politischen Raum das Patriarchat verteidigt. Da ist natürlich an erster Stelle die AfD zu nennen, die sich in ihrem Programm zur traditionellen Familie bekennt. Insbesondere bekennt sie sich auch zum Wiedererstarken der Männlichkeit. Björn Höcke hat das Programm der „Remaskulinisierung“ im November 2015 in Erfurt so formuliert:

„Denn nur wenn wir unsere Männlichkeit wiederentdecken, werden wir mannhaft! Und nur, wenn wir mannhaft werden, werden wir wehrhaft.“

Die Junge Alternative in NRW verkündet: „Die Alternative ist Männlichkeit – Warum Deutschland eine Remaskulinisierung braucht.“ Die AfD fordert zwar eine „faire Bezahlung“ in Frauenberufen, die Forderung nach gleicher Bezahlung mit Männern sucht man vergeblich und natürlich ist die AfD gegen die Quote. „Starke Frauen brauchen keine Quote“ meint die AfD. Erfreulich dann wohl, dass wenig starke Frauen sich bei der AfD engagieren, oder was soll man sonst aus der Tatsache folgern, dass von 78 AfD-Abgeordneten im Bundestag nur 9 Frauen sind. Dass umgekehrt den Frauen die sprachliche Gleichstellung verweigert wird und gegen den „Gender-gaga“ gehetzt wird, macht auch deutlich, dass die angebliche Sorgen um Frauen doch nur auf die alte rechtsradikale Forderung „Hände weg von unseren Frauen“ hinausläuft, bei der nicht um die Frage gestritten wird, dass die Frauen Eigentum des Mannes sind, sondern nur wem sie gehören. Mit ihren patriarchalischen Vorstellungen steht die AfD also „den Muslimen“ und „dem Islam“ (wie sie das versteht) näher als sie selbst merkt. Auch das belegt den rassistischen Zweck der Diskussion um Massenvergewaltigungen.

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Etwas zur statistischen Auswertung (am Beispiel der Zahlen für 2022):

Bei der statistischen Auswertung der Zahlen der Bundesregierung muss zunächst einmal zwischen der Zahl der Taten selbst und den erfassten Tatverdächtigen unterschieden werden. Im Jahre 2022 sind 789 Taten festgestellt worden mit insgesamt 806 Opfern. Da allerdings 38 % der Taten nicht aufgeklärt wurden, beziehen sich die weiteren Aussagen der Statistik also auf ca. 490 Taten. Auf diese verteilen sich im Jahre 2022 die insgesamt 943 (davon 471 nichtdeutsche) Tatverdächtigen. Da es sich um die polizeiliche Statistik handelt, sagt dies weder etwas dazu aus, ob und gegen wie viel Personen die Staatsanwaltschaft tatsächlich anschließend Anklage erhoben hat, noch dazu ob und wie viele der Tatverdächtigen verurteilt wurden.

Eher in den Bereich der Vermutungen gehört dann allerdings der Zusammenhang zum Islam. Nach der Antwort der Bundesregierung kommen insgesamt 210 nichtdeutsche Tatverdächtige aus vier Ländern, die mit dem Islam in Verbindung gebracht werden (Syrien, Irak, Afghanistan, Türkei). Dies entspricht einem Prozentsatz von 44,6 an allen nicht deutschen Tatverdächtigen, und 22,3% von allen Tatverdächtigen. Dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass z.B. in Syrien gerade keine islamische Republik herrscht sondern bei aller Kritik Assad gerade Wert auf religiöse Vielfalt legt und es dort z.B. 10% Christen gibt. Noch viel weniger ergibt sich aus der Statistik, in wieweit die Tatverdächtigten überhaupt ihre Religion praktizieren.

Immerhin knapp 25 % der Taten sollen unter Alkoholeinfluss stattgefunden haben. Nicht erfasst ist, ob dies nur für die (gut integrierten) deutschen Tatverdächtigen gilt, oder auch für die nicht-deutschen. Zumindest bezogen auf die Muslime dürfte ein Alkoholkonsum gegen einen praktizierten islamischen Glauben sprechen.

Überhaupt nicht erfasst werden in dieser Statistik die besonderen Lebensumstände alleinstehender geflüchteter Männer. Dass deren Zusammenleben auf engsten Raum in Gruppen Sexismus und Übergriffe gegen Frauen fördert, dürfte keine Spezialität nicht-deutscher Personen sein.

Natürlich gibt es erst recht keine statistischen Daten zur Frage der politischen Einstellungen der Tatverdächtigen, auch der deutschen. Man darf mal die These wagen, dass Sympathisanten der AfD eher überrepräsentiert sind.

Eberhard Reinecke